
Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag seine Schwächephase fortgesetzt. Der Dax rutschte gleich zum Handelsauftakt unter die Marke von 25.000 Punkten und konnte sich im Verlauf nicht wieder darüber etablieren. Zuletzt notierte der Leitindex rund 0,9 Prozent im Minus bei etwa 24.900 Punkten. Der MDax der mittelgrossen Werte gab mit Verlusten von bis zu rund 1,3 Prozent noch deutlicher nach. Auch der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verzeichnete Abschläge.
Belastet wird das Umfeld vor allem durch anhaltend hohe Anleiherenditen und steigende Energiepreise. Ein Medienbericht über mögliche neue US-Angriffe auf den Iran vor den Zwischenwahlen in den USA trieb die Ölpreise zusätzlich an. Gleichzeitig wächst an den Märkten die Nervosität über das Staatsdefizit Frankreichs. Der Renditeabstand zwischen zehnjährigen französischen Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen hat sich im Oktober 2026 vor dem Hintergrund der verschärften Schuldensituation in Frankreich ausgeweitet. Von einer unmittelbar bevorstehenden Finanzierungskrise will Mark Haefele, Chief Investment Officer der globalen Vermögensverwaltung der UBS, dennoch nicht sprechen. Europäische Aktien dürften aus seiner Sicht moderat höhere Renditen verkraften, gestützt durch investitionsgetriebene Nachfrage und verbesserte Unternehmensgewinne.
"Solange weder bei den Energiepreisen noch bei den Anleiherenditen Entspannung eintritt, dürfte die Bereitschaft zu grösseren Aktienkäufen begrenzt bleiben", schrieb Marktexperte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. Besonders kritisch wertet er die Reaktion auf starke Unternehmensdaten: Mit Blick auf die kräftigen Quartalszahlen des koreanischen Tech-Schwergewichts Samsung warnte Lipkow, es sei ein Warnsignal für die gesamte Aktienrally, wenn selbst überzeugende Ergebnisse keine Anschlusskäufe mehr auslösten. Tatsächlich standen Halbleiter- und KI-Werte auch in Frankfurt unter Druck: Infineon zählte am Dax-Ende mit einem Abschlag von fast 3 Prozent zu den grössten Verlierern, Siemens Energy gab rund 1 Prozent nach.
Branchenseitig fielen erneut vor allem Finanz- und Industriewerte negativ auf. Im europäischen Bankensektor kam es zu kräftigen Abgaben, getrieben von den Sorgen um die französische Staatsverschuldung. Im Dax verlor die Deutsche Bank etwa 1,7 Prozent. Im Automobilsektor gerieten die Zulieferer stark unter Druck: Aumovio und Schaeffler rutschten im MDax mit Kursverlusten von teils mehr als 6 Prozent ans Tabellenende. Anschlussverkäufe trafen zudem Fresenius Medical Care, nachdem bereits am Vortag die Ankündigung eines Wechsels an der Konzernspitze die Aktien stark belastet hatte; das Papier büßte weitere rund 1,6 Prozent ein. Eine Abstufung auf "Underperform" durch die Bank of America sorgte bei Jungheinrich für ein Minus von etwa 6,6 Prozent. Dagegen konnte selbst die Rückkehr in die Gewinnzone Südzuckers den Abgabedruck nicht bremsen – die Aktie notierte zuletzt dennoch im Minus.

Die Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp geht juristisch gegen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) vor. Eralp und ihr Berliner Landesverband haben nach Angaben ihres Rechtsbeistands Strafanzeige beziehungsweise Strafantrag gegen den Minister gestellt. Hintergrund ist eine Passage in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“, in der sich die Moderatorin versprochen und Eralp in einem Satz fälschlich als Antisemitin bezeichnet hatte, bevor sie sich sofort korrigierte. Dobrindt kommentierte diese Szene mit den Worten „Na doch“.
Aus Sicht des von Eralp mandatierten Anwalts Jasper Prigge macht sich der Minister damit den Versprecher der Moderatorin zu eigen. In einem Schriftsatz, der mehreren Medien vorliegt, heißt es, Dobrindt stelle durch seine Einlassung eine Tatsachenbehauptung auf, die den Tatbestand der üblen Nachrede erfülle. Zudem liege eine Beleidigung vor, weil die Bezeichnung als Antisemitin „in erheblichem Maße ehrabträglich“ sei. Eralp habe sich nach Darstellung ihres Anwalts selbst nie in einer Weise geäußert, die als antisemitisch zu bezeichnen wäre, vielmehr trete sie öffentlich für den Schutz jüdischen Lebens ein.
Der Anwalt spricht von einer „Falschbehauptung des Innenministers“. Die Äußerung im Fernsehen sei geeignet, das öffentliche Wirken der Berliner Spitzenpolitikerin erheblich zu erschweren. In dem Schriftsatz wird darauf verwiesen, dass die Verbreitung des Eindrucks, Eralp würde selbst sagen, sie sei Antisemitin, ihre Integrität als politische Amtsträgerin infrage stellen und damit auch Auswirkungen auf politische Prozesse in Berlin haben könne. Eralp ist Spitzenkandidatin der Linken für das Rote Rathaus.
Die Auseinandersetzung hatte sich in der ZDF-Sendung an einem Schlagabtausch zwischen Dobrindt und der Linken-Bundestagsfraktionschefin Heidi Reichinnek entzündet. Während der Debatte unterlief Moderatorin Maybrit Illner der Versprecher, sie korrigierte sich jedoch unmittelbar mit dem Hinweis, Eralp sei „keine Antisemitin“. Dobrindts anschließender Kommentar bildet nun den Kern des juristischen Streits. Zu möglichen weiteren Schritten der Strafverfolgungsbehörden und einer Reaktion des Bundesinnenministers lagen zunächst keine näheren Angaben vor.