
Sachsens Sicherheitsbehörden beobachten eine Verschiebung im Extremismus: Die Szenen werden jünger, digitaler und breiter verankert. Innenminister Armin Schuster (CDU) und der Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz, Dirk-Martin Christian, stellten in Dresden den Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 vor. Internationale Konflikte wirkten demnach als Brandbeschleuniger in nahezu allen Phänomenbereichen – von Rechtsextremismus über Linksextremismus bis hin zu ausländischer Spionage.
Im Fokus steht vor allem das rechtsextremistische Personenpotenzial, das 2025 im Freistaat auf rund 6.550 Menschen anstieg. Im Vorjahr waren es nach unterschiedlichen Angaben in den Berichten rund 6.000 bis 6.300 Personen. Als wesentlicher Treiber wird der als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestufte AfD-Landesverband Sachsen genannt, dem der Verfassungsschutz rund 2.000 Personen zurechnet, nach etwa 1.550 im Jahr zuvor. Hinzu kommen etwa 1.100 Anhänger der Freien Sachsen sowie kleinere rechtsextremistische Parteien. Zugleich sank die Zahl rechtsextremistischer Straftaten laut Bericht von mehr als 3.900 auf 3.263, ein Großteil davon Propagandadelikte und Volksverhetzungsfälle.
Schuster und Christian verweisen besonders auf eine „drastische Verjüngung“ der Szene. Rechtsextremistische Symbole tauchten zunehmend in Klassenzimmern und auf Schulhöfen auf. Wenn solche Zeichen unwidersprochen blieben, sei das Ausdruck einer fortschreitenden Normalisierung verfassungsfeindlicher Positionen, warnte der Innenminister. Als Reaktion brachte er die Erfassung mutmaßlicher Rechtsextremisten bereits ab einem Alter von zwölf Jahren ins Gespräch. Parallel sieht der Verfassungsschutz rechtsextremes Gedankengut „weit in die Mitte der Gesellschaft vorgerückt“, was sich nach Einschätzung der Behörden auch in Wahlergebnissen und kommunalen Gremien widerspiegelt.
Auch im linken Spektrum registriert der Bericht eine Verschärfung der Lage. Das linksextremistische Personenpotenzial stieg 2025 auf 975 Menschen nach rund 900 im Vorjahr. Die Zahl linksextremistischer Straftaten erhöhte sich auf 1.131 Fälle, während die Zahl der linksextremistischen Gewalttaten nach Angaben der Behörden um 47 Prozent zulegte. Schuster führt die Veränderungen unter anderem auf die Wirkung internationaler Konflikte zurück: Migration prägt demnach die Agitation der Rechtsextremisten, der Nahostkonflikt verändert die linksextreme Szene, und die geopolitische Lage insgesamt spiegelt sich auf den Radarschirmen von Polizei und Nachrichtendiensten wider.
Zusätzlich verzeichnet der Verfassungsschutz laut Bericht intensive Aktivitäten russischer und chinesischer Nachrichtendienste gegen Wirtschaft, Wissenschaft und kritische Infrastruktur in Sachsen. Die Kombination aus wachsendem Extremismuspotenzial, einer Verjüngung der Szenen und zunehmender Auslandsaufklärung erhöht nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden den Druck auf Prävention, politische Bildung und den Schutz sensibler Bereiche. Innenminister Schuster sprach von „Pegelanzeigern im kritischen Bereich“ in nahezu allen vom Verfassungsschutz beobachteten Feldern.

Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag nach einem richtungslosen Start den Erholungsversuch erneut abgebrochen. Der Dax, der zur Eröffnung noch leicht im Plus gelegen hatte, drehte im Tagesverlauf ins Minus und schloss 0,74 Prozent tiefer bei 24.433,06 Punkten. Damit setzte der Leitindex seine Schwächephase nach den Verlusten zum Wochenauftakt fort. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor mit einem Minus von 1,50 Prozent auf 31.642,54 Zähler noch deutlicher an Boden. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 zeigte sich robuster und notierte zeitweise im Plus, gab auf Tagessicht letztlich aber leicht nach.
Belastet wird die Stimmung an den Börsen weiterhin von der angespannten Lage im Nahen Osten und der Unsicherheit über den künftigen Kurs der Notenbanken. Im Konflikt zwischen Iran und Israel sind die jüngsten wechselseitigen Angriffe zwar vorerst eingestellt, beide Seiten drohen aber bei Verstößen gegen ihre Bedingungen mit einer Verschärfung der Kämpfe. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor bekräftigt, dass an einer baldigen Lösung gearbeitet werde. Die Ölpreise gaben zuletzt etwas nach, was den Märkten jedoch keinen nachhaltigen Impuls verschaffte.
Analysten verweisen zusätzlich auf geldpolitische Fragezeichen als Belastungsfaktor. Nach Einschätzung von Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst beim Broker CMC Markets, stehen den Börsen „einige dicke Bretter“ bevor. Im Fokus stehen die anstehenden Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank Federal Reserve. Zudem rechnet Lipkow mit möglichen Auswirkungen mehrerer großer, international beachteter Börsengänge, die Liquidität aus den Aktienmärkten abziehen könnten. Marktexperte Timo Emden beschreibt das Umfeld als von „Krisenrauschen“ und KI-Euphorie geprägt, in dem Anlegern ein verlässliches Navigationssignal fehle.
Fundamental kamen aus der deutschen Wirtschaft gemischte Signale. Das Verarbeitende Gewerbe startete, gestützt von einer besseren Entwicklung im Baugewerbe, mit einem Produktionsanstieg ins zweite Quartal. Im April legte die Fertigung im Monatsvergleich um 0,4 Prozent zu und entsprach damit den Erwartungen der Analysten. Am Aktienmarkt sorgte dies allerdings nicht für eine nachhaltige Trendwende. Besonders im Technologiesektor blieb die Lage fragil: Eine zwischenzeitliche Erholung der US-Technologiewerte brach erneut ab, und auch in Frankfurt stockte die Erholung der Tech- und Halbleiteraktien nach vorherigen Rücksetzern. Während einzelne Branchenwerte zwischenzeitlich von der anhaltenden Begeisterung rund um Anwendungen Künstlicher Intelligenz profitierten, überwogen zum Handelsschluss erneut Vorsicht und Gewinnmitnahmen.