Ölpreis-Rally und Iran-Krieg halten Europas Börsen in Atem

15.03.2026


Die europäischen Aktienmärkte sind zum Wochenschluss von geopolitischen Spannungen und stark schwankenden Ölpreisen dominiert worden. Der EuroStoxx 50 schloss am Freitag 0,56 Prozent tiefer bei 5.716,61 Punkten, nachdem der Leitindex der Eurozone im Tagesverlauf zwischen moderaten Gewinnen und Verlusten gependelt hatte. Auch die Vorgaben der schwächelnden US-Börsen trugen dazu bei, dass sich zum Handelsschluss die skeptische Grundhaltung durchsetzte. Auf Wochensicht resultiert damit nach bereits deutlichen Verlusten in der Vorwoche ein geringfügiges Minus.

Außerhalb der Eurozone zeigte sich ein ähnliches Bild: Der britische Leitindex FTSE 100 fiel um 0,43 Prozent auf 10.261,15 Punkte, der Schweizer SMI gab leicht auf 12.839,27 Zähler nach. Marktteilnehmer verwiesen auf eine spürbare Nervosität vor dem Wochenende. Die Volatilität an den Rohölmärkten und an den Börsen spiegelte die Unsicherheit darüber wider, wie sich der Iran-Krieg und die Situation an der strategisch wichtigen Straße von Hormus in den kommenden Tagen entwickeln werden.

Auslöser der Nervosität ist die Kombination aus anhaltend hohen Ölpreisen und der Zuspitzung des Konflikts. Die USA sehen sich nach eigenen Angaben im Iran-Krieg weiter auf dem Weg zum Erfolg. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach am 13. Kriegstag von Angriffen auf dem bislang höchsten Niveau und davon, dass die militärische Infrastruktur der Islamischen Republik zum Bau ballistischer Raketen weitgehend zerstört sei. Marktbeobachter wie Rhynhardt Roodt von Ninety One betonen jedoch, dass Investoren zunehmend das Risiko eines länger andauernden Konflikts einpreisen, der Europa und Asien stärker treffen könnte als die USA.

Im Zentrum der Sorgen steht die Straße von Hormus, durch die ein wesentlicher Teil der globalen Ölexporte fließt. Fachleute der US-Investmentbank Goldman Sachs warnen, dass die Ölpreise über die Höchststände der Finanzkrise 2008 hinaus steigen könnten, sollten die Lieferungen über diese Route den gesamten März hindurch eingeschränkt bleiben. Bei einem Ölpreis von dauerhaft über 100 US-Dollar seien die bisherigen Inflationserwartungen nach Einschätzung von Experten vermutlich zu niedrig, insbesondere mit Blick auf die konjunkturelle Verwundbarkeit Europas.

Auf Sektorebene schlug sich das Umfeld in einer deutlichen Rotation nieder. Besonders konjunktursensitive Branchen standen europaweit unter Druck. Rohstofftitel gerieten auffällig ins Minus, während der Reise- und Luftfahrtsektor wegen der steigenden Kerosinkosten erneut gemieden wurde. Aktien von Air France-KLM verloren mehr als drei Prozent. Dagegen profitierten Ölwerte von den höheren Preisen und legten abermals zu. Einzelwertseitig fielen die Papiere von BE Semiconductor mit einem Kursanstieg von 5,6 Prozent auf, getrieben von Übernahmespekulationen – ein Kontrastpunkt in einem insgesamt von Unsicherheit geprägten Marktumfeld.

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Fusionen drücken Zahl der Volksbanken im Südwesten – Geschäft wächst dennoch

17.03.2026


Die Konsolidierung im Lager der Volks- und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg beschleunigt sich weiter. Bis 2025 sinkt die Zahl der Institute im Südwesten um sechs auf dann 115 Häuser, wie der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband in Stuttgart mitteilte. Die Fusionswelle dauert bereits seit Jahren an. Als zentrale Treiber nennt der Verband den anhaltend hohen Kostendruck sowie verschärfte Anforderungen der Bankenaufsicht, die kleinere Institute besonders stark belasten.

Trotz der strukturellen Bereinigung haben die Genossenschaftsbanken ihre Kennzahlen im jüngsten Berichtszeitraum ausgebaut. Die Bilanzsumme kletterte im Vorjahresvergleich um 3,7 Prozent auf 221,5 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern stieg auf 590 Millionen Euro. Rund 20.600 Beschäftigte betreuten im Jahr 2025 gut 6,1 Millionen Kundinnen und Kunden im Südwesten. Verbandspräsident Ulrich Theileis sprach von einem starken Jahresergebnis in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld.

Die Institute nutzen die robuste Ertragslage nach Angaben des Verbands gezielt, um ihre Kapitaldecke zu stärken. „Unsere Volksbanken und Raiffeisenbanken nutzen die gute Ertragslage zur weiteren Stärkung der wichtigen Eigenkapitalbasis“, sagte Theileis. Das erhöhe die Widerstandskraft der Häuser und versetze sie in die Lage, weiterhin mittelständische Unternehmen, Kommunen und Infrastrukturprojekte in der Region zu finanzieren. Die Kreditbestände wuchsen 2025 um 5,1 Prozent auf 147 Milliarden Euro.

Auf der Passivseite verzeichneten die Genossenschaftsbanken ebenfalls Zuwächse. Die Einlagen legten um 4,0 Prozent auf 169,3 Milliarden Euro zu. Auffällig ist laut Verband, dass Kunden ihre Guthaben vor allem auf Giro- und Tagesgeldkonten parken. Sicherheit und kurzfristige Verfügbarkeit stünden im Vordergrund. Theileis wertete die Entwicklung als Vertrauensbeweis: Die Zuwächse bei den Einlagen seien Ausdruck der hohen Reputation der Institute in der Fläche.