Nach Daten des Statistischen Bundesamts: Ost-West-Lücke bei 5.834 Euro

10.03.2026


Mehr als drei Jahrzehnte nach der Deutschen Einheit ist die Einkommenslücke zwischen Ost und West im Jahr 2025 wieder gewachsen. Nach Daten des Statistischen Bundesamts lag das mittlere Haushaltseinkommen im Westen netto bei 39.598 Euro, im Osten bei 33.764 Euro. Die Differenz betrug 5.834 Euro und war damit 540 Euro höher als 2024, als sie 5.294 Euro ausmachte. Die Zahlen wurden vom Bündnis Sahra Wagenknecht beim Bundesamt abgefragt.

Betrachtet man die Entwicklung seit 2022, zeigt sich insgesamt ein leicht positiver Trend: Prozentual ging die Lücke von 16,2 auf 14,7 Prozent im Jahr 2025 zurück. Das Jahr 2024 stellt mit 13,9 Prozent jedoch einen statistischen Ausreißer dar. Verglichen wurden die Nettoeinkommen der Haushalte im Median, was bedeutet, dass neben Löhnen und Gehältern auch Zins-, Miet- oder sonstige Einkünfte berücksichtigt wurden, die im Osten seltener vorkommen.

Parteigründerin Sahra Wagenknecht kritisierte die Einkommenslücke scharf und führte sie auf die im Osten stärker steigende Arbeitslosigkeit zurück. "Wenn ostdeutsche Haushalte im Mittel fast 6.000 Euro im Jahr weniger zur Verfügung haben, dann ist das 36 Jahre nach der Wiedervereinigung ein inakzeptabler Rückstand", erklärte Wagenknecht. Ihre Bewegung hatte die Daten beim Statistischen Bundesamt angefragt, um auf die anhaltende wirtschaftliche Disparität aufmerksam zu machen.

Experten weisen darauf hin, dass auch Mieten und Lebenshaltungskosten in einigen ostdeutschen Regionen geringer sind als in westdeutschen, was die Einkommensunterschiede relativiert. Zudem wird das Bild innerhalb Deutschlands immer vielfältiger: So lag das verfügbare mittlere Nettoeinkommen der Haushalte in Thüringen mit 34.440 Euro im vergangenen Jahr höher als in Bremen mit 32.729 Euro. Diese regionalen Unterschiede verdeutlichen, dass die wirtschaftliche Angleichung zwischen Ost und West noch nicht abgeschlossen ist.

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Beben bei Thüringer BSW: Augsten räumt Fraktionsvorsitz

14.03.2026


In der Thüringer Landtagsfraktion des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) steht ein Führungswechsel an. Fraktionschef Frank Augsten hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Der 67-Jährige, der den Vorsitz erst seit Dezember 2024 innehatte, will das Amt in den kommenden Wochen an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben und die laufenden Geschäfte bis dahin noch weiterführen. Wer die Fraktionsspitze künftig übernimmt, ist nach Angaben aus Fraktionskreisen bislang offen.

Augsten begründete seinen Schritt nach übereinstimmenden Berichten aus Partei- und Fraktionskreisen mit persönlichen Gründen und dem Wunsch, sich wieder stärker seiner fachlichen Arbeit in der Landwirtschafts- und Umweltpolitik zu widmen. "Im Landwirtschaftsbereich brennt gerade die Luft", sagte der Agrarwissenschaftler mit Blick auf Betriebe, die wegen eines Streits mit der EU mit hohen Rückforderungen konfrontiert sein sollen. Für das BSW sitzt er im Landwirtschafts- und im Umweltausschuss und fungiert als agrarpolitischer Sprecher der Fraktion.

Der frühere Grünen-Politiker hatte bereits eine längere politische Laufbahn hinter sich, bevor er 2024 zum BSW wechselte. Zwischen 2009 und 2014 saß Augsten für Bündnis 90/Die Grünen im Thüringer Landtag und war zeitweise Co-Vorsitzender der Landespartei. Zwischen seinen Mandatszeiten arbeitete der studierte Agraringenieur unter anderem als Referatsleiter im Thüringer Landwirtschaftsministerium und später als kommissarischer Präsident der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft. Im BSW übernahm er den Fraktionsvorsitz, nachdem Katja Wolf im Zuge der Regierungsbildung Ministerin geworden war.

Die Personalie trifft eine Fraktion, die nach der Landtagswahl 2024 mit 15,8 Prozent der Stimmen aus dem Stand zur drittstärksten Kraft im Erfurter Parlament aufgestiegen war und bislang als vergleichsweise geschlossen galt. Das BSW ist Teil der sogenannten Brombeer-Koalition mit CDU und SPD. Das Bündnis unter Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) verfügt mit 44 der 88 Sitze über keine eigene Mehrheit und ist deshalb immer wieder auf Unterstützung aus der Opposition von Linken und AfD angewiesen. Innerhalb der Koalition hatten zuletzt vor allem der Umgang mit AfD-Anträgen und die Frage, ob „inhaltlich gute Anträge“ der AfD in Fachausschüsse überwiesen werden sollen, für Spannungen gesorgt. Augsten hatte sich öffentlich für eine inhaltliche Prüfung solcher Vorlagen ausgesprochen, während insbesondere die SPD-Fraktion eine solche Linie ablehnt.