Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Berechnung sogenannter Trassenpreise stellt den Schienen-Nahverkehr in Baden-Württemberg vor erhebliche finanzielle Risiken. Das Land rechnet mit Mehrbelastungen von mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr, sollte der Bund keine zusätzlichen Mittel bereitstellen. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) warnt, ohne Ausgleich drohten spürbare Einschnitte im S-Bahn- und Regionalverkehr sowie steigende Fahrkartenpreise.
Trassenpreise sind Entgelte, die Verkehrsunternehmen für die Nutzung der Schieneninfrastruktur an den Netzbetreiber – im Fern- und Regionalverkehr die Deutsche Bahn – zahlen. Bislang waren diese Entgelte und ihre Erhöhungen im Regionalverkehr gedeckelt, um die Kosten für die Länder zu begrenzen. Die Preisbremse wirkte zulasten von Güter- und Fernverkehr. Diese deutsche Berechnungsmethode erklärte der EuGH nun für nicht vereinbar mit EU-Recht, weil eine starre mathematische Deckelung der Entgelte gegen europäische Vorgaben verstoße.
Auslöser des Verfahrens war eine Klage der DB-Infrastrukturgesellschaft DB InfraGo gegen die von der Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr eingeführte Preisbremse. Die Regulierungsbehörde hatte damit verhindern wollen, dass die Trassenentgelte den öffentlichen Nahverkehr finanziell überfordern. Nach dem Luxemburger Urteil hat jedoch die Bahn-Tochter Recht bekommen, die Deckelung ist in der bisherigen Form nicht zulässig. Damit steigt der Spielraum für höhere Trassenpreise, was die Kostenbasis der regionalen Aufgabenträger unmittelbar verändert.
Nach Schätzungen des baden-württembergischen Verkehrsministeriums könnte infolge des Urteils etwa jeder zehnte Zug im Land zur Disposition stehen. In pessimistischeren Szenarien ist sogar von bis zu 20 Prozent der Verbindungen die Rede. "Wenn es schlecht läuft, müssten wir also jeden fünften Zug abbestellen", sagte Hermann. Ohne ein Gegensteuern durch den Bund stehen die Länder vor der Wahl, Leistungen im Nahverkehr zusammenzustreichen, Ticketpreise anzuheben – oder zusätzliche Haushaltsmittel umzuschichten.
Hapag-Lloyd steht zunehmend unter Druck durch geopolitische Spannungen und sinkende Frachtraten. Vorstandschef Rolf Habben Jansen bezifferte die zusätzlichen Belastungen infolge der Iran- und Nahost-Krise auf 40 bis 50 Millionen US‑Dollar pro Woche. Höhere Treibstoffkosten, steigende Versicherungsprämien und zusätzliche Lagergebühren für Container schlagen direkt in der Gewinn- und Verlustrechnung der Hamburger Reederei durch. „Wir können das nicht einfach wegstecken“, sagte Habben Jansen dem Sender ntv zufolge und stellte klar, dass ein Großteil der Mehrkosten an die Kunden weitergereicht werden dürfte.
Bereits das jüngste Geschäftsjahr hat die Abkühlung im globalen Containerverkehr deutlich gemacht. Bei einem Umsatz von rund 18,6 Milliarden Euro erzielte Hapag-Lloyd nur noch einen Konzerngewinn von 924 Millionen Euro, nach knapp 2,4 Milliarden Euro im Vorjahr bei gut 19 Milliarden Euro Erlös. In US‑Dollar gerechnet sank das Ergebnis auf 1,0 Milliarden und damit um mehr als 60 Prozent. Niedrigere durchschnittliche Frachtraten trafen auf steigende operative Aufwendungen und ließen die vormals hohen Margen der Branche deutlich erodieren.
Der Ausblick verschärft die Sorgen am Kapitalmarkt. Für das Geschäftsjahr 2026 hält Hapag-Lloyd ein negatives EBIT von bis zu 1,5 Milliarden US‑Dollar für möglich. Haupttreiber sind Routenänderungen, die aufgrund der Lage im Nahen Osten nötig wurden: Umwege um das Kap der Guten Hoffnung verursachen laut Unternehmen wöchentliche Zusatzkosten von 40 bis 50 Millionen US‑Dollar und neutralisieren weitgehend den Volumenzuwachs von acht Prozent auf 13,5 Millionen TEU, zumal die Frachtraten zuletzt im Schnitt um weitere acht Prozent nachgaben. Die Dividende soll von zuvor 8,20 Euro auf 3,00 Euro je Aktie deutlich gekürzt werden; die Aktie reagierte mit einem Kursrückgang von knapp drei Prozent auf 133,80 Euro.
Strategisch versucht Hapag-Lloyd, die Abhängigkeit von volatilen Handelsrouten zu verringern. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Ausbau des Indien-Geschäfts. Eine am 19. März in Mumbai unterzeichnete Absichtserklärung sieht vor, das Transportvolumen in der Region bis 2030 auf rund 3 Millionen TEU zu steigern. Die Partnerschaft umfasst unter anderem eine strategische Beteiligung am Ausbau eines Hafens und soll langfristig stabilere Erträge ermöglichen. Ob diese Weichenstellungen ausreichen, um die aktuellen Belastungen und das Risiko operativer Verluste zu kompensieren, bleibt vorerst offen.