Glücksspiel in Deutschland: Millionenumsätze im Schatten, 1,2 Millionen Problemspieler

13.04.2026


Der boomende Glücksspiel-Schwarzmarkt in Deutschland verschärft den Druck auf Politik, Behörden und regulierte Anbieter. Automatenhersteller und -betreiber berichten von einem massiven Abwandern der Spieler in illegale Angebote, während Suchtexperten vor den sozialen und finanziellen Folgen warnen. Obwohl der Staat auf Bundes- und Länderebene das Problem erkannt hat, wächst die Kritik, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um den Schattenmarkt wirksam einzudämmen.

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, fordert schärfere Kontrollen und eine konsequentere Regulierung. Illegale Märkte müssten entschlossen bekämpft werden, zugleich solle das legale Angebot begrenzt werden, etwa durch größere Mindestabstände zwischen Spielhallen und Wettbüros. Fiedler verweist auf die hohen sozialen Kosten: Glücksspielsucht sei aus Sicht der Betroffenen die „teuerste Suchterkrankung“ und führe häufig zu Überschuldung, sozialem Abstieg sowie Beschaffungs- und Begleitkriminalität.

Auch der Bundessuchtbeauftragte Hendrik Streeck warnt vor dem hohen Suchtpotenzial. Schätzungen zufolge entwickeln in Deutschland rund 1,2 Millionen Menschen ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten. Existenzen könnten in kurzer Zeit zerstört werden, betont der CDU-Politiker. Er drängt darauf, illegales Glücksspiel wirksam zurückzudrängen und gleichzeitig sicherzustellen, dass legale Angebote ihrem Anspruch gerecht werden: Schutz zu bieten und Risiken zu begrenzen.

Die legalen Anbieter sehen sich unterdessen zwischen strengen Vorgaben und wachsender Konkurrenz aus dem Untergrund eingeklemmt. Merkur-Vizechef Manfred Stoffers spricht davon, dass der Schwarzmarkt „grassiert“. Die Regeln seien derart restriktiv, dass viele Spieler zu illegalen Angeboten abwanderten. Merkur stellt Spielautomaten her, betreibt Spielbanken und bietet Online-Spiele an. Beim Wettbewerber Löwen Entertainment heißt es, das illegale Angebot fresse den legalen Markt auf. Bundesweit gibt es nach Schätzungen rund 160.000 legale Glücksspielautomaten – etwa 100.000 weniger als vor zehn Jahren. Dem stehen mindestens 60.000, nach anderen Schätzungen sogar mehr als 100.000 illegal aufgestellte Geräte gegenüber, häufig in Kneipen oder Hinterzimmern von Vereinen und anderen Einrichtungen.

Die Strafverfolgungsbehörden registrieren die Entwicklung mit Sorge. In Nordrhein-Westfalen deckte die Polizei im vergangenen Jahr nach Angaben des Innenministeriums 350 unerlaubte Glücksspielveranstaltungen auf, 15 mehr als im Vorjahr. Dabei geht es um Pokerrunden, andere Spiele und den Betrieb nicht genehmigter Automaten. Das Landeskriminalamt schätzt, dass Kriminelle durch den professionellen Betrieb von Glücksspielen Einnahmen in Millionenhöhe erzielen, teils mit Strukturen, die Bezüge zur organisierten Kriminalität aufweisen. Während Politik und Branche über die richtige Balance zwischen Regulierung, Suchtprävention und Marktzugang ringen, wächst der Schattenmarkt weiter – und mit ihm der Handlungsdruck auf den Gesetzgeber.

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Hohe Ölpreise lenken mehr Schiffe in den Nord-Ostsee-Kanal

13.04.2026


Der Nord-Ostsee-Kanal verzeichnet im Zuge gestiegener Energiepreise einen spürbaren Anstieg des Schiffsverkehrs. Im März passierten 1.988 Schiffe die rund 100 Kilometer lange Wasserstraße zwischen Kiel und Brunsbüttel, deutlich mehr als im Februar mit 1.465 und auch etwas mehr als im März 2025 mit 1.973 Schiffen. Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt führt die Entwicklung auf die aktuell hohen Ölpreise zurück, die Reedereien vermehrt zur Abkürzung durch den Kanal anstelle der längeren Route um das dänische Skagen bewegen.

Die höhere Auslastung spiegelt sich nicht nur in den Durchfahrten, sondern auch in den Ladungsmengen wider. Im März 2026 wurden knapp 6,46 Millionen Tonnen Güter transportiert, rund 158.000 Tonnen mehr als ein Jahr zuvor. Bereits im Januar hatte die Ladungsmenge bei 5,94 Millionen Tonnen gelegen, im Februar bei 5,07 Millionen Tonnen. Eine typische Passage durch den Kanal dauert abhängig von der Schiffsgröße im Schnitt acht bis zehn Stunden und ermöglicht den Unternehmen damit eine Kombination aus Zeit- und Treibstoffersparnis in einem von hohen Betriebskosten geprägten Marktumfeld.

Trotz des jüngsten Zuwachses war das Gesamtjahr 2025 von einem Rückgang der Schiffsbewegungen geprägt. Zwischen Nord- und Ostsee wurden 22.262 Schiffe gezählt, nach 24.866 im Jahr 2024 – ein Minus von fast 10,5 Prozent. Gleichzeitig wurden die Schiffe im Durchschnitt größer: Die Bruttoraumzahl im Durchgangsverkehr stieg von 5.688 auf 5.750. Insgesamt wurden 2025 rund 69,5 Millionen Tonnen Ladung über den Kanal transportiert, verglichen mit knapp 75,6 Millionen Tonnen im Jahr 2024.

Zusätzlich zu den Energiepreisen prägen internationale Rahmenbedingungen den Güterstrom. Wegen der Sanktionen gegen Russland wurden 2025 nur noch rund 1,85 Millionen Tonnen von und zu russischen Häfen über den Nord-Ostsee-Kanal abgewickelt, gegenüber 14,22 Millionen Tonnen im Jahr 2021. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Kanal als strategische, kostensparende Route für andere Verkehre weiter an Bedeutung und bleibt eine zentrale Infrastruktur für den europäischen und internationalen Seeverkehr.