Generationenwechsel im Münchner Rathaus: 35-jähriger Krause löst Reiter ab

23.03.2026


Die bayerischen Stichwahlen haben die kommunalpolitische Landkarte des Freistaats spürbar verschoben. In zahlreichen Rathäusern und Landratsämtern müssen Amtsinhaber ihre Posten räumen, der einst verlässliche Bonus der Wiederwahl erwies sich als deutlich schwächer als noch vor sechs Jahren. Besonders die CSU kassierte einen Dämpfer: Neben mehreren Oberbürgermeisterämtern verlor die Partei rund ein Dutzend Landratsposten. Zu den Gewinnern zählen vor allem die Freien Wähler von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, die in diesem Umfeld ihren Einfluss in der Fläche ausbauen konnten.

Das spektakulärste Signal kommt aus der Landeshauptstadt. In München endet nach 42 Jahren die SPD-Vorherrschaft im Rathaus. Der 35-jährige Grünen-Politiker Dominik Krause setzte sich in der Stichwahl mit mehr als 56 Prozent der Stimmen klar gegen den bisherigen Oberbürgermeister Dieter Reiter (67) durch. Der bisherige Amtsinhaber, der als haushoher Favorit in das Rennen gegangen war, konnte den Stimmenschwund aus dem ersten Wahlgang nicht mehr drehen. Beobachter hatten Reiter unter anderem seine umstrittene Rolle bei Vereinsmandaten und Vergütungen beim FC Bayern München negativ ausgelegt.

Reiter übernahm die Verantwortung für die Niederlage in ungewohnt deutlicher Form. Er habe die Wahl „verbockt“, sagte der SPD-Politiker und sprach von seiner persönlichen Schuld am Ergebnis. Nach zwölf Jahren an der Spitze der Stadt kündigte er zugleich seinen Abschied von der Politik an. Für die SPD bedeutet der Machtverlust in München nicht nur eine empfindliche symbolische Niederlage, sondern auch das Ende einer langjährigen Domäne in einer der wirtschaftlich wichtigsten Metropolen Deutschlands.

Auch für die CSU verlief der Stichwahlsonntag ernüchternd. In Augsburg, der drittgrößten Stadt Bayerns, verlor Oberbürgermeisterin Eva Weber ihr Amt an den SPD-Herausforderer Florian Freund. Die klare Niederlage reiht sich ein in eine Serie von Rückschlägen für die Christsozialen, die neben großen Städten auch im ländlichen Raum Landratsämter abgeben mussten. Der Trend der Stichwahlen legt nahe, dass sich Wählerinnen und Wähler weniger stark an Amtsinhabern orientieren als in der Vergangenheit – und neuen politischen Konstellationen in den Kommunen deutlich offener gegenüberstehen.

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Europa-Börsen im Rebound-Modus – Anleger bleiben vor Wochenende vorsichtig

23.03.2026


Europas Aktienmärkte haben sich am Freitag von ihren heftigen Verlusten am Vortag erholt. Gestützt von einer Entspannung an den Energie- und Terminmärkten sowie vagen Hoffnungen auf ein schnelleres Ende des Kriegs im Nahen Osten legten die Leitindizes im frühen Handel zu. Der Euro-Stoxx-50 rückte in der ersten Handelsstunde um 0,86 Prozent auf 5.662 Punkte vor, der Dax gewann 0,85 Prozent auf 23.036 Zähler. In Wien stieg der ATX um 1,2 Prozent, auch der britische FTSE-100 notierte fester.

Am Donnerstag hatten Sorgen über eine weitere Eskalation im Nahen Osten die Ölpreise und in der Folge die Inflationserwartungen in die Höhe getrieben. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent war zeitweise über 119 US-Dollar geklettert und hatte damit eine Verkaufswelle an den Aktienmärkten ausgelöst. Mittlerweile kostet Brent mit 109 Dollar wieder deutlich weniger. Die Beruhigung an den Energie- und Gasmärkten nimmt etwas Druck von den Konjunkturängsten, auch wenn Anleger die Entwicklung weiterhin aufmerksam beobachten.

Zur verbesserten Stimmung trugen Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu bei, die an den Märkten als Signal für ein möglicherweise schnelleres Kriegsende gewertet werden. Netanyahu sagte laut „Times of Israel“, der Iran sei schwächer denn je und könne kein Uran mehr anreichern sowie keine ballistischen Raketen mehr herstellen. Die Angriffe auf die Islamische Republik würden jedoch fortgesetzt, „so lange dies notwendig ist“. Trotz dieser Aussagen bleibt das Umfeld fragil: Je nach Nachrichtenlage aus der Region rechnen Marktteilnehmer im Tagesverlauf mit erneuten größeren Kursschwankungen.

Zusätzliche Volatilität bringt der sogenannte große Verfalltag. An diesem Freitag laufen an den Termin- und Derivatebörsen Futures und Optionen auf Aktien und Aktienindizes aus. Rund um diesen Termin kommt es häufig zu spürbaren Marktbewegungen, weil Investoren Positionen schließen oder neu ausrichten. In den Sektorindizes holten vor allem Bank-, Reise- und Bauwerte Verluste vom Vortag auf, während Ölaktien nach dem Rückgang der Rohölnotierungen tendenziell unter Druck gerieten. Viele Anleger bleiben gleichwohl vorsichtig und neigen dazu, vor dem Wochenende Risiken zu reduzieren, um sich gegen mögliche negative Überraschungen aus dem Nahen Osten abzusichern.