CSU vs. Freie Wähler: Harte Landratsrennen in Niederbayern, während München nach Grün tendiert

23.03.2026


In Bayern ist der Stichwahl-Sonntag zur kommunalpolitischen Zäsur geworden: In mehr als 250 Städten und Gemeinden sowie 29 Landkreisen wurden die Chefposten in Rathäusern und Landratsämtern neu verteilt – und gleich mehrere Traditionsparteien geraten unter Druck. Besonders im Fokus steht München, wo der bisherige Oberbürgermeister Dieter Reiter von der SPD nach einem deutlichen Dämpfer im ersten Wahlgang nun vor der Abwahl steht. Parallel dazu liefern sich CSU und Freie Wähler in niederbayerischen Landkreisen ungewohnt knappe Duelle um die Landratsposten.

In der bayerischen Landeshauptstadt deutet sich ein politischer Paukenschlag an: Nach Auszählung von rund der Hälfte der Stimmen bei der Stichwahl liegt der 35-jährige Grünen-Kandidat Dominik Krause mit etwa 60 Prozent klar vor Amtsinhaber Reiter, der auf rund 40 Prozent kommt. Schon im ersten Wahlgang hatte Reiter im Vergleich zu 2020 mehr als zwölf Prozentpunkte eingebüßt – Beobachter führen das auch auf die Diskussionen um seine Ämter beim FC Bayern München zurück. Ein Sieg der Grünen würde die seit 42 Jahren andauernde Dominanz der SPD im Münchner Rathaus beenden und für die Sozialdemokraten einer empfindlichen Niederlage gleichkommen.

Während München damit vor einem Machtwechsel steht, zeigen die Ergebnisse in anderen Großstädten ein gemischtes Bild für die etablierten Parteien. In Nürnberg steuert CSU-Amtsinhaber Marcus König nach Auszählung von gut drei Vierteln der Stimmen auf eine Bestätigung im Amt zu; er kommt in der Stichwahl auf gut 55 Prozent und verteidigt damit seinen klaren Vorsprung aus dem ersten Wahlgang gegen SPD-Herausforderer Nasser Ahmed. In Augsburg hingegen muss CSU-Oberbürgermeisterin Eva Weber um ihr Amt bangen: Dort liegt nach Auszählung fast aller Gebiete SPD-Kandidat Florian Freund mit rund 57 Prozent deutlich vor der Amtsinhaberin.

Besonders angespannt ist die Lage in mehreren niederbayerischen Landkreisen, in denen sich CSU und Freie Wähler harte Zweikämpfe liefern. Im Landkreis Kelheim muss CSU-Landrat Martin Neumeyer nach einem drastischen Einbruch im ersten Wahlgang in die Stichwahl. Er kam lediglich auf 33,9 Prozent und lag damit nur knapp vor Christian Nerb von den Freien Wählern, der 33,1 Prozent erreichte. Zum Vergleich: 2020 war Neumeyer noch mit nahezu 71 Prozent der Stimmen gewählt worden. Im Landkreis Rottal-Inn liegt Herausforderer Martin Koppmann (Freie Wähler) sogar vorne; er erzielte im ersten Durchgang 35 Prozent, während der amtierende CSU-Landrat Michael Fahmüller auf 28,3 Prozent kam.

Auch im Landkreis Landshut steht eine richtungsweisende Stichwahl an: Dort tritt Alfred Holzner von den Freien Wählern gegen die CSU-Kandidatin Claudia Geilersdorfer an. Insgesamt stehen sich in 20 der 29 Landrats-Stichwahlen im Freistaat Bewerber von CSU und Freien Wählern gegenüber – ein Hinweis darauf, wie stark sich der Wettbewerb im bürgerlichen Lager verdichtet hat. Im Landkreis München wiederum entschieden die Wählerinnen und Wähler in 14 Städten und Gemeinden erst in der Stichwahl über ihre Bürgermeister, auch der Landratsposten wurde dort in einem zweiten Durchgang vergeben. Die Summe der Entscheidungen an diesem Wahlsonntag verschiebt das kommunalpolitische Kräfteverhältnis in Bayern spürbar – und dürfte die strategische Debatte in allen großen Parteien befeuern.

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Ernstfall-Szenario am Schelfwerder: Schwerin verknüpft Waldbrand- und Munitionsschutz

23.03.2026


In Schwerin haben Katastrophenschützer am Wochenende ein groß angelegtes Waldbrand-Szenario auf munitionsbelastetem Gelände geprobt. Im Stadtteil Schelfwerder wurde ein Brand südlich des Paulsdamms simuliert – bei ausgeprägter Trockenheit, ungewöhnlich hohen Temperaturen und starkem Nordostwind. Das angenommene Feuer drohte sich in Richtung Kleingartenanlagen, Bootshäuser und städtische Bebauung auszubreiten, während der direkte Löschangriff im Wald wegen Munitionsresten als zu gefährlich galt.

Mehr als 120 Einsatzkräfte von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW), Deutschem Roten Kreuz (DRK), Landespolizei und Landesforst waren beteiligt. Die Führungskräfte entschieden sich im Szenario für eine sogenannte Riegelstellung zwischen Waldgebiet und Bebauung, um ein Übergreifen der Flammen auf Häuser, Kleingärten und Bootshäuser zu verhindern. Tanklöschfahrzeuge pendelten im Dauereinsatz, ein Wasserwerfer der Landespolizei verstärkte die Löschwasserversorgung, während das THW bis zu 15.000 Liter Wasser pro Minute direkt aus dem Schweriner See förderte.

Ein Schwerpunkt der Übung lag auf der Lageerkundung und Koordination. Eine Drohne des DRK lieferte Luftbilder, lokalisierte Glutnester und wies die Einheiten am Boden gezielt ein. Parallel wurden die Wasserentnahme aus dem Schweriner See und der Transport über lange Wegstrecken getestet. Kreisregner sicherten die Waldkante, um die angenommene Feuerfront auf Distanz zur Bebauung zu halten. Nach Angaben der Stadt sollten so Abläufe für den Ernstfall in schwer zugänglichen, munitionsbelasteten Bereichen überprüft und optimiert werden.

Für Anwohner und Verkehr brachte die Übung spürbare Einschränkungen mit sich. Drosselweg und Buchenweg samt Parkplätzen wurden zwischen 7.00 und 14.00 Uhr gesperrt, betroffen waren zudem das angrenzende Waldstück, der Bootshausverein Werderwiesen sowie die beiden Kleingartenvereine Schelfwerder und „Am Heidensee“. Die Stadt bat Bewohner, Kleingärtner und Bootshausbesitzer, Halteverbote und Durchfahrtsbeschränkungen zu beachten. Das Übungsszenario orientiert sich an realen Lagen wie den Waldbränden im munitionsbelasteten Gebiet bei Lübtheen im Landkreis Ludwigslust-Parchim und soll als Blaupause für künftige, landesweite Einsätze dienen.