AfD mit Zuwächsen erwartet, Linke bangt um Fünfprozenthürde in Rheinland-Pfalz

23.03.2026


In Rheinland-Pfalz deutet sich bei der Landtagswahl ein knappes Rennen um die Staatskanzlei an. Umfragen sehen die CDU mit einem leichten Vorsprung vor der seit Jahrzehnten dominierenden SPD. Bis 12.00 Uhr lag die Wahlbeteiligung bei rund 50 Prozent, inklusive Briefwahlstimmen, wie der Landeswahlleiter in Mainz mitteilte. Damit bewegt sich die Beteiligung auf dem Niveau der Wahl von 2021, als zur Mittagszeit 49 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt hatten. Insgesamt sind 2,95 Millionen Menschen aufgerufen, ein neues Landesparlament zu wählen; die Wahllokale schließen um 18.00 Uhr, danach werden erste Prognosen und Hochrechnungen erwartet.

Die Ausgangslage ist für die SPD ungewöhnlich angespannt. Seit 1991 regiert sie Rheinland-Pfalz ohne Unterbrechung, allein oder mit wechselnden Partnern. Nun droht ihr laut Umfragen die erste Wahlniederlage seit 35 Jahren, während zugleich für die Landtagswahl 2026 ein historisch schwaches SPD-Ergebnis im Raum steht. Die Partei war mitten in der laufenden Legislaturperiode in den Führungswechsel gegangen: 2024 trat Malu Dreyer als Ministerpräsidentin zurück, ihr Nachfolger Alexander Schweitzer führt seither eine Ampelkoalition mit Grünen und FDP. Schweitzer gab seine Stimme in Bad Bergzabern ab, CDU-Herausforderer Gordon Schnieder wählte im Eifelort Birresborn.

Die Umfragen deuten neben dem knappen Duell an der Spitze auf eine Verschiebung im Parteienspektrum hin. Auf Platz drei wird die AfD erwartet, der starke Zuwächse prognostiziert werden. Die Grünen könnten ihr Ergebnis von 2021 nach derzeitigem Stand halten und würden damit zwar hinter AfD und den beiden großen Parteien zurückbleiben, aber stabil im Landtag bleiben. Deutlich unsicherer ist die Lage für Freie Wähler und Linke: Beide müssen um den Einzug in den Landtag bangen. Für die Linke wäre ein Überwinden der Fünfprozenthürde ein Novum in Rheinland-Pfalz, bislang ist sie dort nicht im Parlament vertreten.

Unklar ist auch die Zukunft der liberalen Regierungsbeteiligung in Mainz. Die mitregierende FDP wird in den Umfragen den „sonstigen“ Parteien zugerechnet beziehungsweise nicht gesondert ausgewiesen, was auf ein schwächeres Abschneiden schließen lässt. Je nach exaktem Ergebnis könnten damit bisherige Mehrheitskonstellationen ins Wanken geraten und neue Bündnisse nötig werden. Für den weiteren Verlauf des Wahlabends kommt es nun entscheidend darauf an, ob sich der Vorsprung der CDU vor der SPD im Laufe der Auszählung bestätigt und wie stark der Zuspruch für AfD, kleinere Parteien und bisherige Koalitionspartner tatsächlich ausfällt.

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Darmspiegelung rettet Leben: Studie und Beispiele aus Mecklenburg-Vorpommern

23.03.2026


Darmkrebs zählt in Deutschland wie weltweit zu den tödlichsten Krebsarten – und gilt dennoch als eine der am besten vorbeugbaren. Jährlich sterben hierzulande nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) rund 23.000 Menschen an der Erkrankung, fast zehnmal so viele wie bei Verkehrsunfällen. In Mecklenburg-Vorpommern leben laut Schweriner Gesundheitsministerium derzeit etwa 7.550 Menschen mit einer Darmkrebsdiagnose, jedes Jahr kommen rund 1.200 Neuerkrankungen hinzu.

Gastroenterologen setzen deshalb verstärkt auf Früherkennung per Darmspiegelung. Am Helios Hanseklinikum Stralsund demonstrieren die Chefärzte den Ablauf inzwischen auch am eigenen Körper. German Horn, Chefarzt der Gastroenterologie, ließ kürzlich eine Vorsorgekoloskopie von seinem Kollegen Stefan Ziemer durchführen – und schildert den Eingriff als unspektakulär. Unter Sedierung habe er „nichts mitbekommen“ und lediglich von einer Reise nach Argentinien geträumt, sagt er im Anschluss.

Die Untersuchung selbst dauert in der Regel weniger als eine halbe Stunde. Über ein 1,40 Meter langes Endoskop führt der Arzt eine Kamera bis zum Übergang vom Dick- zum Dünndarm und zieht sie langsam zurück. Auf dem Bildschirm erscheinen ein rötlicher Tunnel, Blutgefäße, Verengungen und Ausbuchtungen. In diesem Stadium lassen sich nicht nur Tumoren, sondern vor allem mögliche Vorstufen erkennen und entfernen – noch bevor sie zu Krebs entarten. Bei Horn zeigt die Reise durch den Dickdarm keine Auffälligkeiten.

Seit April vergangenen Jahres haben Männer und Frauen ab 50 Jahren Anspruch auf eine von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlte Vorsorgekoloskopie; bei unauffälligem Befund kann nach zehn Jahren eine zweite folgen. Präventionsforscher Hermann Brenner vom DKFZ verweist auf neue Studiendaten, wonach die Teilnahme an diesem Programm hochwirksam gegen Darmkrebs ist. Vor diesem Hintergrund versuchen Kliniken wie das Stralsunder Hanseklinikum, Hemmschwellen abzubauen – nicht nur mit nüchternen Zahlen, sondern auch mit ungewöhnlichen Einblicken aus dem Endoskop und dem Signal, dass selbst Chefärzte die Kamera in den eigenen Darm schicken.